Mittwoch, 29. April 2015

Was ist Yin Yoga? Ein Intro.



Am Anfang war es ein Kampf mit meinem Körper. Heute ist das stille und intensive Yin Yoga aus meiner eigenen Praxis nicht mehr wegzudenken. An dieser Stelle möchte ich meinen lieben Freund und Kollegen Wolfgang Riedl zu Wort kommen lassen, der diesen in seiner Ruhe so herausfordernden Stil bei Mandala Yoga warmherzig und humorvoll unterrichtet. 

----------------------------

Dies ist ein kleines Intro zum Yin Yoga. Ich hoffe, es beantwortet Eure Fragen. Falls noch etwas offen bleibt, dann meldet Euch gerne bei mir per E-mail oder persönlich, ich freue mich auf den Austausch!


 
Wolfgang Riedl 
www.riedl-bodywork.de

Was ist Yin Yoga?

Das Yin Yoga hat seine Verwurzelung im daoistischen System und führt uns durch die Ruhe und Kraft in die Stille. Die einzelnen Positionen sind den 12 Meridianen und fünf Elementen der chinesischen Medizin zugeordnet. In der Traditionellen Chinesischen Medizin sprechen wir von Qi, was soviel bedeutet wie Lebensenergie, diese verläuft in Bahnen, sogenannten Meridianen.
Die Stille ermöglicht ein aufmerksames Hineinhorchen in unseren Körper und unsere Gefühlswelt, dadurch entsteht nach einer Yin Yoga Praxis eine tiefe innere Ruhe und Achtsamkeit.

Was ist die Geschichte des Yin Yoga?

Bekannt wurde das Yin Yoga durch Paul Grilley, der es mit Sarah Powers bis zum heutigen Stand so ausgearbeitet hat, wie wir es momentan praktizieren.

Paul Grilley sah im Fernsehen Paulie Zink, der eine Kampfkunst vorführte, und war beeindruckt von dessen Flexibilität. Er nahm Kontakt zu ihm auf. Paulie Zink, der zu dieser Zeit schon Yin Yoga praktizierte, hatte dadurch seine Flexibilität erreicht. Paul Grilley wurde Paulie Zinks Schüler. Durch die tiefe Auseinandersetzung mit der Meridianlehre durch Dr. Hiroshi Motoyama vervollständigte er sein Wissen und erkannte den Zusammenhang zwischen den Meridianen und Asanas. Paul Grilley brachte das Wissen der Anatomie, die Lehren des Dao Yoga und die Meridianlehre zusammen und entwickelte daraus die Form des Yin Yoga. Sarah Powers war eine Schülerin von Paul Grilley, die im Anschluss nach ihrer eigenen morgendlichen Ashtanga Yoga Praxis, an der Yin-Yoga-Stunde teilnahm. Erst ein paar Jahre später kam es zu einer Zusammenarbeit, auch bei den ersten Yin-Yoga-Fortbildungen.
Durch Sarah Powers wurde das Yin Yoga bis zum heutigen Tage weiter ausgearbeitet und noch verfeinert. Viele der Positionen der oberen Extremitäten gehen auf die Erforschung von Sarah Powers zurück und machen das Yin Yoga zu einem ganzheitlichen Konzept.

Was macht Yin Yoga so besonders?

Beim Yin Yoga werden die einzelnen Yoga-Übungen  zwischen drei und 20 Minuten gehalten. Der Nutzen entsteht schon bei einer einzelnen Haltung von drei Minuten. Durch die Aneinanderreihung von mehreren Positionen, die je zu einem Meridian oder Element gehören, erhöht sich der Qi-Fluss hier um ein Vielfaches. Heilung auf körperlicher, emotionalen wie auch mentalen Ebene  kann geschehen.
Die Positionen dehnen das viszerale System, das Bindegewebe, Bänder und Sehnen (Yin), und bringen das Qi - die Lebensenergie - wieder ins Fließen. Wir mobilisieren dabei unsere Gelenke und stärken das Skelettsystem. Dadurch werden wir im Körper und Geist flexibler.

Was unterscheidet Yin Yoga von anderen Formen des Yoga?

Die Yin-Yoga-Positionen sind von den traditionellen Yoga-Übungen inspiriert und wurden, damit der Unterschied zwischen muskelaktiver und muskelpassiver Form klar wird und bleibt, umbenannt. Der klassische Kuhkopf-Sitz (Gomukhasana) heißt im Yin Yoga „Schnürsenkel“ und die klassische Kobra (Bhujangasana) heißt „Robbe“. Alle Übungen finden am Boden oder gegen die Wand statt, um so ein größtmögliches Loslassen zu unterstützen.

Die drei Grundsätze des Yin Yoga sind:

1.  Wähle deine Haltung bis zu einer angemessenen Grenze, nicht neutral, sondern die Intensität liegt auf einer Skala bei max. 6 von 10, ohne brennende oder stechende Empfindungen
2. Entspanne deine Muskeln, lass die Wirbelsäule rund werden
3. Verweile für drei bis 20 Minuten in der Haltung, beobachte deine Gedanken/Gefühle/körperlichen Sensationen

Für wen ist Yin Yoga geeignet?

Eigentlich für jede/n. Besonders für wilde Yogis, die eine sehr dynamisch (=yang) geprägte Yogapraxis haben und wieder eine Balance in ihrer Praxis schaffen möchten. Für Athleten und Leistungssportler, die Flexibilität und Stabilität benötigen und dadurch bessere Ziele erreichen wollen. Für alle Menschen, die einen intensiven und stressigen Job haben, aber auch für Menschen, die kurz vor dem Burn-Out stehen, so dass ein Ausgleich der mentalen und körperlichen Verfassung wieder hergestellt werden kann.
Yin Yoga ist auch ein wunderbarer Einstieg und Vorbereitung für die Meditation. So kann man sich erst einmal damit vertraut zu machen, wie und was Emotionen sind und wie die eigenen Gedanken „funktionieren“.
Gleichzeitig eignet sich Yin Yoga auch für Meditationserfahrene, die gerne ihre Praxis vertiefen möchten. Durch das Yin Yoga lernt der Körper länger in Stille zu verweilen.

Wo kann ich Yin Yoga praktizieren?

Da Paul Grilley, gleich von Anfang an, einen Riegel vor die Lehrer–Zertifizierung schob und Yin Yoga kein markenrechtlich geschütztes System ist, kann jede/r Yin Yoga praktizieren. Dennoch gibt es Fortbildungen für diejenigen, die sich intensiver mit den anatomischen und energetischen Theorien der Yin-Yoga-Praxis auseinandersetzen möchten.
Es gibt viele Lehrer und Lehrerinnen, die einen Workshop besucht haben und Yin Yoga anbieten. Ich persönlich würde in der Vita des jeweligen Lehrers nachschauen, ob eine Weiterbildung vorliegt.
Von daher schau in deinem Umfeld, welche Lehrer oder welches Studio Yin Yoga anbietet, und suche dir das aus, womit du am besten in Resonanz stehst.


Die nächsten Yin-Termine bei Mandala Yoga in Fürstenwalde: 
Mi., 6.5. 19 Uhr, Yin&Yang-Yoga (Wolfgang)
So., 31.5.15, 10-12.30 Uhr, Yin-Yoga XXL (Wolfgang)



 Hier einige interessante Links:

Paul Grilley www.paulgrilley.com
Sarah Powers www.sarahpowers.com
Bernie Clark www.yinyoga.com
Josh Summers www.joshsummers.net

Mögest du Frieden erfahren
Mögest du Freiheit erleben
Mögest du Liebe leben



Wolfgang Riedl
Achtsames Coaching
Soul & Body Work

Zimmermannstr. 15
12163 Berlin / Steglitz
T: 030 632 191 69
M: 0175 599 63 52
wolfgang@riedl-bodywork.de
www.riedl-bodywork.de

Dienstag, 17. Februar 2015

Im Krankenhaus



Diesen Krankenbesuch werde ich nicht vergessen. Mein Großvater wird 90 Jahre alt, meine vierjährige Tochter Anni und ich betreten das Klinik-Zimmer. Im ersten Bett ein alter, schlafender Mann. Daneben ein alter, schlafender Mann. Im dritten Bett unser Großvater – ein alter, schlafender Mann. Wir versuchen, ihn sanft zu wecken. Aber er wacht nicht sofort auf. Anni dreht sich auf dem Absatz um, zieht mich aus dem Zimmer, wirft die Tür ins Schloss, schreit und jammert: „Schlafen wir alle so fest, wenn wir alt sind? Mama, lass uns bitte nicht alt werden, ja!“ Zurück ins Krankenzimmer? Auf keinen Fall!


Nichts bereitet uns mehr Unbehagen, als mit unserer Sterblichkeit konfrontiert zu sein. Da macht es keinen Unterschied, ob wir vier oder 44 Jahre alt sind. Die Angst bleibt immer die gleiche. Unser Umgang mit ihr ist das, was uns unterscheidet. Ich kann die Tür zuschmeißen, den Kloß im Hals runterschlucken. Und weiter so tun, als wäre alles für die Ewigkeit. Oder ich lasse das dumpfe Gefühl der Ohnmacht einfach da sein. Akzeptierend, das alles was lebt auch wieder geht. Was könnte dem Jetzt mehr Bedeutung schenken?


Annis Hand in meiner. Ich sage: „Alle fühlen das, was Du jetzt fühlst. Schau hin: Was würdest Du wollen, wenn Du an Opas Stelle wärst?“ Anni: „Dass jemand da ist und meine Hand hält. So wie Du jetzt.“ 


Danach haben wir gemeinsam Geburtstag gefeiert.

Dienstag, 20. Januar 2015

Stille im Auge des Sturmes



Ist alles ruhig, fühle ich mich großartig. Das Leben plätschert so dahin, die Familie ist gesund, das Studio läuft. In diesen Momenten bin ich überzeugt, dass mich Yoga und die Meditation tiefenentspannen und ich auf dem Weg gut vorankomme. 

Aber wehe, wenn sich plötzlich und wie immer unerwartet ein Sturm zusammenbraut! Gerade war es wieder soweit. Ein freier Abend, nur wir zwei, sogar ohne Kind. Die Kerze ist an, das Essen steht auf dem Tisch… Und dann: ist von einem Augenblick zum nächsten alles anders. Unser Hund August windet sich vor Schmerz, spuckt und wimmert. Alle Anzeichen deuten auf eine Magendrehung hin. Davon hatte er schon zwei. Eine dritte Not-OP – das wäre sein Ende.
Nach fünf Minuten sind Herr und Hund auf dem Weg zum Tierarzt – und ich allein in der verwaisten Küche. Ich laufe hin und her, gucke aufs Telefon, setze mich, stehe wieder auf, schaue aus dem Fenster, sehe nur Dunkelheit. Ohne es zu merken beginne ich diesen sinnlosen Ablauf immer wieder von neuem und lasse mich komplett von meinen Gedanken mitreißen: Werde ich mich noch verabschieden können oder wird er es nicht einmal bis in die Klinik schaffen? Wo werden wir ihn begraben? Ach, war das schön, als August noch ein Welpe war! Wie wird unser Leben sein ohne diesen ewig schnarchenden Riesen?

Mein Kino im Kopf macht die Angst immer größer. Und das Selbst-Mitleid auch. Ich fühle mich einfach nur jämmerlich. Trotzdem ist da noch Platz für einen einzigen hellen Gedanken: Verdammt noch mal! Setz Dich endlich auf dein Kissen und beobachte, was in deinem Hirn passiert! 

Meditation macht den Kopf leer? Was für ein Quatsch! Meine Gedanken rattern und rennen. Aber etwas Wesentliches ist anders: Ich rattere und renne nicht mit. Stattdessen spüre ich den Atem und entscheide mich bewusst, ein Zuschauer meines eigenen Films zu bleiben. Das ist einfach, aber keineswegs leicht. Und doch ist es das Beste, was mir je im Auge eines Sturmes eingefallen ist. Ich werde ganz ruhig und fühle, dass jedes Hirngespinst kommt und auch wieder geht. Egal, was da aufploppt, es hat hier und jetzt nichts mit meiner Realität zu tun. Denn da sitze ich und atme.

30 Minuten später der Anruf: August geht’s gut. Sein Magen war nicht verdreht, nur verstimmt. Egal, wie sanft das Leben plätschert. Ich werde auch in Zukunft sitzen und atmen. Denn der nächste Sturm kommt bestimmt.

Martha lächelt dem Tod ins Gesicht




Den Tod können wir gut ertragen - solange er noch weit genug weg ist. Sterben tun nur die anderen. Wir kennen uns aus: Heftige Bilder gibt es im Fernsehen schließlich genug. Und außerdem haben wir ja noch unendlich viel Zeit...

Ich bin aufgewacht, als mein Vater starb. Plötzlich hat die Vergänglichkeit mir ihre eisige Hand gereicht. Ich war wie paralysiert. Und ehrlich gesagt, in dieser Angststarre war ich niemandem eine Unterstützung. 


Deswegen sitze ich heute, einige Jahre später, in einem buddhistischen Seminar über den Tod. Neben mir eine junge, attraktive Frau mit schwarzer Strickmütze. 34 Jahre alt. Ich Lächeln ist unendlich lebendig. Ihr Körper: dem Ende ganz nah. Martha hat Krebs, der inzwischen bis in die Leber streut. Es geht nicht mehr um Heilung, nur noch um Lebensverlängerung. Und trotzdem ist da keine Spur von Angst, keine Verzweiflung. Dafür Vertrauen und eine bedingungslose Freundlichkeit, dem eigenen, immer schwächer werdenden Körper gegenüber. Die Meditation ist ihr Weg durch den Schmerz. Den Atem beobachten, hinschauen, die destruktiven Gedanken vorm inneren Auge sehen, aber nicht einsteigen. Nicht zulassen, dass der Geist die restliche kurze Lebenszeit zur Hölle macht.
Jeden Tag trainiert sie, die Dinge so zu akzeptieren wie sie sind. Warum? Weil sie das Leben liebt. Sie sagt, das Schlimmste sei, wenn die Leute ihr rieten, sie solle kämpfen. "Gegen wen soll ich denn in die Schlacht ziehen? Gegen meinen eigenen Körper?" Stattdessen will sie jeden Tag, der ihr noch bleibt, so bewusst wie möglich erleben. Ohne allem eine Bewertung drüber zu stülpen - gut oder schlecht, falsch oder richtig, gerecht oder ungerecht. 


Martha hat verstanden, was wir noch verdrängen: Nichts dauert ewig. Unser Körper ist ein Hotel, aus dem wir einmal wieder werden ausziehen müssen. Manche früher, andere später. So wie jede Blume welkt und jeder noch so stabile Baum irgendwann dem Sturm zum Opfer fällt. Martha, danke, dass Du da bist! Dein Lächeln ist mir die wichtigste Lektion!
www.mandalayoga.de